Freie Presse - Artikel vom 16. März 1998

Wo der edle Bourbon wie Öl die Kehle hinabrinnt

Erster Glauchauer Whisky Verein schärft die Geschmacksnerven für Spezialitäten aus der Destille, ganz ohne Lallen und Torkeln

Was ist ein Single Malt, was ein blended Whisky? Wo wurde der erste Whisky genannt? Was ist der Unterschied zwischen Scotch, Bourbon und Tennessee? Was ist eigentlich Faßstärke? Und warum kann man einerseits einen "Whiskey" genießen?

Fragen über Fragen. Zugegeben, wer in dem edlen Getränk nur einen Schnaps sieht, mit dem sich rezeptfrei der Schädel betäuben läßt, dem werden solche Gedanken wohl kaum in selbigen kommen. Wer hingegen den geistreichen Genuß dieser hochprozentigen Spezialität bevorzugt, der hat seit nunmehr fast zwei Jahren eine sehr gesellige Möglichkeit, die eingangs erwähnten Bildungslücken zu schließen.

Keineswegs nur für Männer

Anlaufpunkt für Wissens-(!)durstige in Sachen Whisky ist der "Erste Glauchauer Whisky Verein 1996". Diejenigen, die sich entschließen, an einem der gutbesuchten Grundseminare im kleinen Renaissancesaal zu Schloß Forderglauchau teilzunehmen, werden einiges feststellen: Zunächst, daß die Teilnehmer keineswegs nur Männer sind. Im Gegenteil. Die Frauenquote würde vermutlich Gleichstellungsbeauftragte knietief in Ehrfurcht versinken lassen. Desweiteren bleibt festzuhalten, daß die Freunde dieses "zu Branntwein verarbeiteten Bieres ohne Hopfen" teils von weither anreisen, um etwas über ihren liebsten Gaumenkitzel zu erfahren. Außerdem treten die Gäste quasi der geballten Whiskykompetenz in Gestalt der zierlichen Angela Fiedler gegenüber. Sie nimmt die Whisky-Analphabeten mit auf eine Reise durch Raum und Zeit, hin zu den einschlägigen Destillen rund um den Globus.

Angesichts des altehrwürdigen Ambientes sowie der Fülle an Historie und Gegenwart ist klar, daß ein solcher Abend nichts mit einer Ich-knall-mir-heut'-die-Birne-zu-Kneipentour des postfeierabendlichen homo sapiens alcoholicus gemein hat. "Bei uns gibt es keine Saufgelage", so Vereinsvorsitzender Olaf Papsdorf. "Darauf legen wir allergrößten Wert."

Natürlich gehören Theorie und Praxis gerade in einem solchen Seminar zueinander wie Bonnie und Clyde. Deshalb stehen für die Eleven fünf aus aller Welt stammende Kostproben des lange Zeit elitären Tranks bereits. Neben Weißbrot und alkoholfreien Getränken wird zum Neutralisieren der Geschmacksnerven auch gemälzte Gerste, ein möglicher Grundstoff der Whiskyproduktion, gereicht.

Eis gehört nicht ins Whiskyglas

Zum stilgemäßen Genuß gehört die Beachtung einiger Grundregeln, die Angela Fiedler ihren Gästen noch vor dem ersten vereinseigenen Trinkspruch "Laß laufen" mit in die Kehle gibt. Regel Nummer ein: Whisky immer zimmerwarm genießen. Regel zwei: Eiswürfel haben nichts im Whiskyglas zu suchen. Wenn schon verdünnen, dann mit Leitungswasser. Regel drei: Glas kurz in der Hand erwärmen, Farbe und Aroma prüfen, Geschmack und Abgang wirken lassen. Schon nach zwei, spätestens nach drei der fünf Proben klaffen die Meinungen der inzwischen Whisky-grundgebildeten Seminarteilnehmer wie eine alpine Gletscherspalte auseinander. Ein Gast bevorzugt den rauchigen, ein anderer den milden und ein nächster den etwas fruchtigeren Geschmack.

Preislich ist dem mindestens 10prozentigen Vergnügen kaum eine Grenze gesetzt. Bei der Versteigerung von acht Flaschen Macallan aus dem Jahre 1926 brachte eine 30.000 Mark ein. Nur selten in den erlauchten Kreis der Publikumslieblinge schafft es ein Whisky wie der schottische Single-Malt Caol Ila. Er besitzt die sogenannte Faßstärke. Das bedeutet, daß er nach dem Reifeprozeß weder verdünnt noch gefiltert wurde und somit einen hohen Alkoholgehalt (hier 58,2 Prozent) besitzt. Sogar hartgesottene Whiskyfreunde fangen da mit dem Verdünnen an.

Ein solches Seminar, das mit einem Zertifikat abgeschlossen wird, kann jeder besuchen. Nähere Infos unter 03763/788916.