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Freitag, 2. Januar 2004 FREIE PRESSE, Zum Wochenende Von Renate Färber (Text) und Wiegand Sturm (Fotos) Pressebilder: ![]() Zum Wohl auf das neue jahr. Ein Gläschen Whisky in Ehren ... Auch 2004 will der 1. Glauchauer Whiky Verein 1996 - auf dem Foto Barbara und Olaf Papsdorf, Thomas Winkelmann sowie Angela und Steffen Fiedler (von links) - möglichst vielen eine Lektion über das hochprozentige Getränk erteilen. Die 31 Mitglieder - unter ihnen 11 Frauen - kommen aus den verschiedensten Berufsgruppen. Darunter Lehrer, Dachdecker, Elektriker und Finanzdienstleister. |
![]() Ein kleiner Teil der Miniflaschensammlung von Monika Koop und Thomas Winkelmann. |
Eine hochprozentige AngelegenheitWie zwei Paare auf die Idee kamen, den 1. Glauchauer Whisky Verein 1996 zu gründen - Seminare klären Wissbegierige auf - Auch in der Stadt wird wichtiger Part gespielt Am Anfang dachten viele: Was für eine Schnapsidee! Und einige meinten nicht nur hinter vorgehaltener Hand: Die suchen doch nur 'nen Grund, um öfter mal ganz offiziell einen drauf zu machen. Klar ärgerten sie sich darüber. Aber die Frauen und Männer, die den 1. Glauchauer Whisky Verein gründeten, setzten eine ernsthafte Vereinsarbeit dagegen. Und mittlerweile bringen sie damit sogar ab und an den Tourismus in ihrer Stadt ein bisschen mehr in Schwung. Doch dazu später ... Mit einer Reise fing es an Angefangen hat alles mit einer Reise. Fiedlers und Papsdorfs waren in Irland unterwegs. "Wir schipperten mit einem Hausboot auf dem River Shannon durchs Land. An jeder Anlegestelle waren drei Häuser, zwei davon Pubs", erzählt Olaf Papsdorf augenzwinkernd. Und dort gab's natürlich Whiskey, Whiskey, Whiskey - in allen Variationen. Was finden die Iren nur so gut am Whiskey, fragten sich die Sachsen. Denn so richtig schmecken wollte ihnen das Gesöff anfangs nicht. Doch irgend etwas musste dran sein. Also packten sich die Vier zwei Flaschen ein. Aber auch zu Hause kamen sie nicht gleich auf den Geschmack. Doch Barbara und Olaf, Angela und Steffen wollten hinter das ganze Geheimnis "Whisky" kommen. Sie probierten weiter, immer in Maßen versteht sich. Schließlich sprangen die Geschmacksnerven doch an. Papsdorfs und Fiedlers hielten mit ihren Irland-Entdeckungen nicht hinterm Berg. "Wir wollten niemanden zum Trinken bewegen. Doch wir stießen, je mehr wir uns mit dem Hochprozentigen beschäftigten, auf Hochinteressantes über und um den Whisky herum", meint Papsdorf. Mit ihren Erzählungen weckten sie Neugierde. Bei mancher Frage mussten sie jedoch passen. Das ärgerte sie. Man müsste Nägel mit Köpfen machen - oder heißt das eher Flaschen mit langen Hälsen? Sei es wie es sei: Langsam reifte die Idee von der Vereinsgründung. Im Westteil der Republik gab es so etwas schließlich auch. Am 30. April 1996 war es soweit: 13 Männer und Frauen schlossen sich zusammen und gründeten in der Walpurgisnacht den 1. Glauchauer Whisky Verein. Am Hexenfeuer am Fuße des Bismarckturmes - der Mittelpunkt im Vereinslogo wurde - ging es heiß her. Wir hätten mit jeder Wahlveranstaltung in Amerika mithalten können - beteuern sie heute. Denn wer Vorsitzender werden wollte, musste sich in mehreren Rededuellen durchsetzen. Am Ende stand Olaf Papsdorf als Wahlsieger fest. "Viel versteht er ja nicht vom Whisky, aber reden kann er", neckt Monika Koop vom Vorstand. Der Mann sieht's gelassen und gibt ihr Recht. Die Vereinsidee: Wer etwas über den Whisky, seine Geschichte und die Herkunftsländer wissen möchte, dem werden wir in Seminaren - gegen Gebühr - eine Lektion erteilen. Das erste Seminar fand im März 1997 im Schloss Glauchau statt, welches sich der Verein zum Domizil erkor. Angesagt war eine Reise durch die Whisky-Welt für Einsteiger, Neugierige und Wissbegierige. Irland, Schottland, USA und Japan waren die Haltepunkte. "Klar, dass man auch Kostproben anbietet. Schließlich muss man schmecken, worüber man redet. Aber stets nur winzige Schlucke. Bei uns kann also keiner betrunken werden", betont Thomas Winkelmann, von Berufs wegen Facharbeiter für Werkzeugmaschinen, von Hobby wegen Seminarleiter - der amerikanische, so zusagen. Den schottischen Part spielt eine Frau. Nicht auf dem Dudelsack, aber immer im karierten Rock: Angela Fiedler. "Ich liebe Schottland: Land, Leute, Musik und natürlich den Whisky", gibt sie zu. Sie hat auch einige der rund 120 Destillerien besucht, holte sich Anregungen für Seminare wie "Schottische Impressionen" und "Starke Schotten". Starke Schotten: ein berühmter Hochprozentiger und eine berühmte Persönlichkeit. Angela Fiedler achtet auch auf Kleinigkeiten. So kann sie sich gar brüsten, den Namen mancher Destillerie-Katze zu kennen. Kein Spaß. Die "Tiger" sind wichtig, sorgen sie doch dafür, dass die Mäuse nicht an die Gerste gehen, die zur Herstellung des Nationalgetränks verwendet wird. Klar weiß die Frau auch zu berichten, dass die Wässerchen erstmals im Jahr 1494 urkundlich erwähnt wurde und keltische Mönche das Geheimnis der Destillation in Schottland preisgaben. Wer etwas über amerikanischen Whiskey und dessen Geschichte lernen möchte, der sollte zu "Ami" Winkelmann ins Seminar gehen. Dort erfährt er nicht nur, dass es in den USA lediglich 13 Destillerien gibt. Dem geschätzten Zuhörer wird auch erläutert, welche Rolle der Whiskey in der Geschichte des Landes spielte und wie der Bourbon zu seinem Namen kam. Übrigens "übersiedelte" das Getränk erst mit den europäischen Einwanderern in die neue Heimat. Die Schotten und Iren unter ihnen wollten nicht auf ihr Lieblingsgetränk verzichten. Da Gerste im Revier fehlte, verwendete man u. a. Mais und Roggen. Hopfen brachte die Würze, die in Schottland der Torf beschert - ein paar Splitter nur. In den Seminaren - an deren Ende es auch ein Zertifikat gibt - lernt man natürlich viel, viel mehr. Whisky und Whiskey Wie unterscheidet sich nun Schottland und Amerika in Sachen Whisky? Man könnte es sich leicht machen: Ein Schotte schreibt sich ohne "e", ein Amerikaner - und der Ire - meistens mit "e": Whisky und Whiskey. Doch das sind nur Äußerlichkeiten, mit denen man allerdings schon Eindruck schinden kann, wenn man als Laie mit Experten spricht. Den Unterschied merkt man auf der Zunge: Schottischer Whisky z. B. von der Weltwhisky-Insel Islay schmeckt salzig und nach Meer, der aus anderen Gegenden nach Heide, Honig und Karamell, manchmal auch etwas nach Gras - so Kenner. Der Amerikanische ist relativ süß und oft vanillig. Unterschiedlich auch die Lagerungen. Die Schotten nutzen gebrauchte Fässer - wegen des sprichwörtlichen Geizes? Jedenfalls hat vor dem Whisky oft Portwein in den Fässern gelagert - auch das bringt den spezifischen Geschmack eines Whiskys. Die Amerikaner füllen das "Wasser des Lebens" in neue Eichenfässer. Um den rauchigen Geschmack und eine dunkle Farbe zu erreichen, werden sie ausgekohlt. Wenn eine Seminarleiterin vom schottischen und ein Seminarleiter vom amerikanischen Whisk(e)y schwärmt, dann kommt nahezu automatisch der Tag, an dem man laut fragt: Wer ist denn nun der bessere? Und wer auf Biegen und Brechen einer Sache auf den Grund gehen will, der veranstaltet wie in alten Zeiten ein Duell. So kam es auch in Glauchau zum Whisky-Duell. Nicht hart auf hart, aber mit viel Spaß, betont Thomas Winkelmann. Sich gegenüber standen vier "Schotten" und vier "Amis". Nach der Verkostung die Wertung: Gewinner waren erstaunlicherweise die Amerikaner. Thomas Winkelmann kann sich heute noch nicht ein Grinsen verkneifen, war er doch oft genug hochgenommen worden, ob seiner Liebe zu den USA-Getränken. Angela Fiedler nimmts gelassen. "Eigentlich haben wir alle gewonnen. Außerdem war ja nur ein Stimmchen entscheidend". Wenn Whisky-Plauderein auf dem Programm stehen, bleibt der Verein unter sich. "Da kommen dann Flaschen auf den Tisch, die aus dem Urlaub mitgebracht wurden", erzählt Ina Fiedler (verschwägert mit den beiden Fiedlers). So gab es schon die tollsten Getränke: auch ägyptischen Whisky und schwarzgebrannten irischen. Trotzdem, die 3000 bis 4000 Whiskysorten - Altersklassen sowie verschiedene Fassfinishes und Abfüller einzeln gerechnet -,die es gibt, werden die Glauchauer wohl nie alle kennenlernen. Und manch eine Flasche kann man sich auch nicht leisten. "Es gibt Flaschen, die kosten an die 20.000 Euro", so Olaf Papsdorf. "Im Verein haben wir uns mal eine für 150 Euro geleistet - die Mitgliedsbeiträge machen es möglich", so Ina Fiedler, Chefin über die Vereinsfinanzen. Doch der teure enttäuschte. Gut für's Stadtimage Im 1. Glauchauer Whisky Verein dreht sich bei weitem nicht alles um Seminare. Wie gesagt, man kurbelt auch tüchtig mit am guten Image der Stadt. Die Vereins-Veranstaltungen finden nicht nur bei den Glauchauern, sondern auch bei den Gästen aus nah und fern Gefallen. "Unübertroffen ist unsere Veranstaltung 'Whisky in the castle' - anfangs unter dem Namen Irische Nacht im Schlosshof Hinterglauchau", sagt Monika Koop. "Da gibt es Live-Musik, irisches Bier und natürlich irischen Whiskey. Das alles mit Schlossromantik pur. Früher waren wir fast unter uns. Heute kommen an die 400 Besucher." Das Ganze findet stets einen Tag vor Himmelfahrt statt - damit man die Nacht ruhig genießen kann. Mit von der Partie ist der Verein auch stets beim Stauseefest, wo er schon mit tollen Bootskreationen beim Freestyle-Rennen auf sich aufmerksam machte. Am 7. Februar kommt die Vereinsarbeit wieder in Fluss. Da gibt es eine Fass-Nacht im Schloss. Wer neugierig geworden ist, kann sich zum Grundseminar am 6. März anmelden. Und natürlich steigt in diesem Jahr wieder die Nacht der Nächte: "Whisky in the castle" - einen Tag vor Himmelfahrt. - Der Verein ist zu erreichen: 03763/788916 oder 03763/14921 |
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