Moritz (Freizeitmagazin der Freien Presse) - Ausgabe 05/98
Pressebild:

Von Hexenbrennen und Feuerwasser
Beim Whisky Verein Glauchau ins Glas schnuppern und die Theorie des Feuerwassers studieren
Der April geht üblicherweise mit dem Brauch des Hexenbrennens in den Mai über. Das ist immer eine rechte Gaudi,
bei der auch so allerhand ausgefallene Einfälle geboren werden. Eine solche Schnapsidee hatte am 30. April 1996
bei einem derartigen Hexenbrennen eine Handvoll Westsachsen. "Wir gründen einen Whisky Verein", verkündeten sie
im Schein der Flammen des symbolischen Scheiterhaufens. Gesagt - getan. Und seither gibt es ihn, den 1. Glauchauer
Whisky Verein 1996. Was aber tun die Leute? Nun, sie gehen nüchtern ganz theoretischen Fragen nach, wie:
Was ist Whisky?
Welche Geschichte hat er? Wie wird er hergestellt und wie standesgemäß getrunken? Na, das interessierte doch
auch mich Moritztier. Erfahren hatte ich bereits, daß die 14 Vereinsmitglieder regelmäßig im Kleinen
Renaissance-Saal des Schlosses Forderglauchau tagen. Die Frauen und Männer lieben vor allem die Geselligkeit.
Und dabei ergründen sie die Kultur und Historie des Whiskys. Das reicht ihnen aber immer noch nicht.
Sie wollen auch andere für den Whisky als ihrer Meinung nach ganz besonderen Tropfen begeistern.
In Glauchau und Umgebung hat sich das Vereinstreiben schon herumgesprochen. So sind die fünf bis sechs
Grundseminare, die der Verein pro Jahr veranstaltet, denn auch immer ausgebucht. Maximal 24 Personen finden
dann in dem jeweils festlich eingerichteten Saal Platz. Zweieinhalb Stunden nimmt ein Grundseminar in
Anspruch. Angesichts der Proben von fünf Sorten Whisky, die im Laufe des abends zu verkosten sind, trifft
der Begriff von trockener Theorie nun wirklich nicht zu. Es erschallt mehrmals während des Seminars der
Trinkspruch "Laß laufen!". Dem folgt die gründliche Aroma-Prüfung des edlen Tropfens mittels Riechorgan und
anschließend macht der Whisky den "Abgang" durch die Kehlen.
Vor allem die 33jährige Angela Fiedler begeistert die Seminarteilnehmer immer wieder mit unterhaltsamen Details über den Whisky als solchen. Ob Blended Scotch, Irischer und amerikanischer Whisk(e)y wie auch Kanadischer und japanischer Whisky (man beachte die unterschiedliche Schreibweise, ganz zu schweigen von Aroma und Geschmack) - die Frau weiß wirklich sehr viel. Passend zu ihren Worten wird dann immer die jeweilige Sorte verkostet. Dazu gibt es Speckfettbemmen, und das ganze Zeremoniell wird mit schottischer Musik aufgelockert. Natürlich zahlen die Seminarteilnehmer einen Obulus, denn schließlich müssen ja die teuren Tropfen vom Verein käuflich erworben werden. Getrunken wird übrigens stilecht aus Cherrygläsern. Jeder Seminarteilnehmer erhält zum Abschluß des Abends ein schmuckes Zertifikat, das ihm bescheinigt, erfolgreich an der Veranstaltung teilgenommen zu haben. Wem das Grundseminar noch nicht genügt hat, der kann sich auch noch in einem Aufbauseminar in Sachen Whisky fit machen.
Toll fand der Verein den Besuch der 1. Inter-Whisky im vorigen Jahr. Und inzwischen gehört er auch einen
internationalen Whisky-Verein an namens "The Scotch Malt Whisky Society" mit Sitz in Edinburgh. Direkt vor
Ort, daß heißt in Irland oder Schottland, haben einige Vereinsmitglieder Einblicke in die fast schon
legendären Destillerien nehmen können und herzliche Kontakte geknüpft. Für die ständige Wissensvertiefung
über das Thema Whisky mußte allerdings das Englisch wieder aufpoliert und sich sogar im Gälischen geübt
werden, verrät Frau Fiedler. Somit ist die Verständigung zu den Whisky-Hochburgen leichter und damit auch
der Nachschub seltener Sorten ins Fließen gekommen. Sinnlos verplempert werden die kostbaren Tropfen
allerdings nicht, sondern über jede Whisky-Verkostung wird penibel Buch geführt. Jene proben, die etwa 60
Prozent Alkohol aufweisen, werden natürlich verdünnt. Aber auf Anraten des Vereinsvorsitzenden Olaf Papsdorf
keinesfalls mit Sprudelndem Tafelwasser. Am besten sei einfaches Wasser aus der Leitung. Na, was mich
Katertier betrifft, ich stehe ja geradezu als Symbol für zu tiefe Blicke in mit irgendwelchen Alkoholischen
Getränken gefüllte Gläser. Und so habe ich mir auch nur ein ganz kleines Kostpröbchen gegönnt, und zwar
ein "Wönziges Schlöckchen". Es war auf den Orkney Inseln destilliert worden. Sollten Sie als Leser Näheres
über den Verein erfahren wollen, dann wenden sie sich an den Chef der Truppe, Olaf Papsdorf, Telefon 03763/14141
oder ans Kulturamt Glauchau.
Anita Eichhorn